Out of the Box - Dr. Christian Pinter - Fototipps

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Fernsteuerung "Out of the Box" und mit USB-Kabel
Wichtige Vorbemerkung:

Ich beschreibe hier meine Konfiguration. Sollten Sie diese ganz oder auch nur in Teilen nachbauen, so tun Sie das ausschließlich auf Ihre eigene Gefahr.

Ich übernehme keine Haftung für Schäden am Teleskop, dem PC, der Türe oder von irgendwelchen anderen Komponenten.



Schneller Auf- und Abbau

Früher stand ich beim Fotografieren lange in der Kälte. Selbst bei der Fernsteuerung mittels Notebook am Balkon und Teamviewer für die Verbindung zum Arbeitsraum waren Auf- und Abbauzeiten viel zu lang.

Deshalb habe ich 2019 "Out of the Box" entwickelt. Kernstück ist eine schwarze Schachtel, die fix unter dem Teleskop montiert ist.
Nachdenken und Probieren führten mich zu folgender Konfiguration:

  • Teleskop, Kameras etc. werden über ein USB 2.0 Kabel und Funk gesteuert
  • die gesamte Elektronik ruht, fertig verdrahtet, in der Box unterm Teleskop
  • alle nötigen Geräte und Sensoren befinden sich beständig am Teleskop
  • ebenso die Kabelverbindungen zwischen diesen und der Box darunter

Ich habe das Konzept nach und nach im Jahr 2019 realisiert. Seither kann ich:

  • alles vorkonfiguriert in einem Rutsch auf den Balkon stellen
  • mich mit dem Anschluss eines Strom- und eines Datenkabels begnügen
  • das Teleskop mit einer Mire und zwei Sternen schnell einjustieren
  • praktisch alles vom Arbeitszimmer aus per PC und via Funk steuern
  • das ganze Equipment genauso rasch wieder abbauen

Im Verlauf der himmlischen Fotosessions muss ich im wesentlichen nur noch auf den Balkon, um den Deckel für die Dark- und Bias-Aufnahmen bzw. den Leuchttisch für die Flat-Aufnahmen vor das Objektiv zu setzen. Das ist meist nur ein einziges Mal nötig.


Hier der schematische Plan:
In die Box münden 2 Kabel für

  • Stromversorgung (12V) über Wandnetzgerät am Balkon
  • Datenverkehr (USB 2.0) über USB-Kabel & Flachkabel zwischen Tür und Angel)

Aus der Box ragen 14 Kabel für

  • Stromversorgung des Teleskops (12 V)
  • Steuerung des Teleskops (mündet in Meade Autostar-Handbox)
  • Stromversorgung der Canon EOS 1000D (7,8 V via Akku-Dummy)
  • Daten der Canon EOS 1000D (oder der NI10 Planetenkamera) (USB)
  • Fokussiermotor (9 V, per Funk oder USB einschaltbar und umpolbar)
  • Bahtinovmasken-Motor (5 V, per Funk einschaltbar und umpolbar)
  • Fadenkreuzbeleuchtung des Sucher mittels LEDs (per Funk abschaltbar)
  • Fadenkreuzbeleuchtung des Okulars mittels LED (per Funk abschaltbar)
  • Philips 900C CCD-Kamera (USB)
  • Mikrofon (USB)
  • Sensor für Temperatur und Luftfeuchtigkeit (USB)
  • Arduino mit IR-Wolkensensor (USB)
  • Leuchttisch für Flatfield-Aufnahmen (5V Stromversorgung über USB-Kabel)
  • Flatfield-Box (12V, per Funk einschaltbar)

In der Box befinden sich:

  • Spannungswandler elektronisch 12 V auf 9 V (Fokussiermotor bei Funkbetrieb)
  • Spannungswandler elektronisch 12 V auf 7,8 V (EOS-Stromversorgung)
  • Spannungswandler elektronisch 12 V auf 5 V (alle USB-Geräte, Bahtinov)
  • Spannungswandler mit Relais 5 V auf 9 V (Fokussiermotor bei USB-Betrieb)
  • Funkempfänger mit Relais für Fokusmotor vorwärts (Kanal 1)
  • Funkempfänger mit Relais für Fokusmotor rückwärts (Kanal 2)
  • Funkempfänger mit Relais für Fokusmotor-Tempovorwahl (Kanal 3)
  • Funkempfänger mit Relais zum Schalten der LED-Beleuchtungen (Kanal 4)
  • Funkempfänger mit Relais für Bahtinovmasken-Motor vorwärts (Kanal 5)
  • Funkempfänger mit Relais für Bahtinovmasken-Motor rückwärts (Kanal 6)
  • USB-Hub 2.0 Hub Nr. 1 aktiv (wichtigste USB-Geräte und Hub Nr. 2)
  • USB-Hub 2.0 Hub Nr. 2 passiv (weitere USB-Geräte)
  • USB-RS232-Wandler (für die Teleskopsteuerung)

Am Teleskop montiert sind:

  • Autostar-Handbox zur Teleskopsteuerung
  • Kamera EOS 1000D (im Fokus oder Huckepack) oder NexImage 10
  • Philips 900C CCD-Kamera (am zweiten Sucher)
  • Fokussiermotor (Meade oder JMI)
  • Bahtinovmaske mit Motor (abnehmbar)
  • Sucher 8 x 50 mit Beleuchtung (visuell)
  • Sucher 50 mm, f = ~ 180 mm (visuell und CCD)
  • LED für Sucherokular 12 mm
  • Sensor für Temperatur- und Luftfeuchtigkeit
  • Arduino mit IR-Sensor zur Wolkenerkennung
  • Mikrofon USB zur Kontrolle
  • Leuchttisch für Flatframe-Aufnahmen (am Objektiv montierbar) oder
  • Flatfield-Box für Flatframe-Aufnahmen
  • Fernauslöse-Sender (am Blitzschuh der Canon-Kamera)
  • Regenwarngerät mit Sender (neben dem Teleskop)
  • Funkgesteuerte Quarzuhr (fix am Balkon montiert)

Im Arbeitszimmer befinden sich:

  • PC (Win 7 - 64, am bequemsten mit 2 Monitoren)
  • USB 3.0 Repeaterkabel zwischen PC und Balkontüre
  • Funksender mit 6 Kanälen

In anderen Zimmern:

  • Funkempfänger samt digitalem Zähler für den Fernauslöse-Sender am Blitzschuh
  • Funkempfänger fürs Regenwarngerät (ident mit dem Türgong-Empfänger)

Im folgenden erkläre ich die einzelnen Komponenten näher.
Blick in die Box

Da ich überlange Kabeln nicht kappen wollte, sind sie in der Box zusammengerollt. Das schaut ziemlich unordentlich aus. Die Kabeln werden durch einen Schlitz in der Schachtel in Freie geführt. So lassen sich leicht tauschen.
Zwei USB-Hubs in Serie

Das Datenkabel mündet in einen aktiven Vierfach-Hub (2.0). Daran hängt ein zweiter, passiver Hub. Er lässt sich leicht trennen, falls ich Bandbreite sparen muss und auf weniger wichtige USB-Geräte verzichte.

Am aktiven Hub steckt jedenfalls das USB/UART-Adapterkabel für die Teleskopsteuerung, das USB-Datenkabel für die EOS oder die NI 10 und das USB-Datenkabel der Philips CCD-Cam. Der zweite (passive) Hub betreut alle weiteren USB-Geräte, die Daten liefern.

Die von mir verwendeten Hubs sind allerdings nicht unproblematisch, weil sie die Zusatzspannung auch zurück in den PC leiten. Das kann PCs durchaus beschädigen! In meinem Fall ist das noch nicht passiert. Ich habe in die Stromzuführung (5V+) für den aktiven Hub eine Diode geschaltet, um wenigstens den 5V-Spannungswandler der Box zu schonen.
Sechs Funkkanäle

Bei jedem der 6 Empfänger lässt sich extra einstellen, wie er auf sein Signal reagiert: Ob das Relais nur bei Tastendruck durchschaltet oder sich den letzten Zustand bis zum neuerlichen Befehl merkt.
Die Kanäle 1 und 2 steuern den Fokusmotor. Mit Kanal 3 wird dessen Tempo bestimmt. Kanal 4 schaltet die LEDs für den Sucher und das Fadenkreuzokular sowie das Licht in der Flatfield-Box ein bzw. aus. Die Kanäle 5 und 6 bewegen die Bahtinovmaske.
Das Teleskop bewegt sich

Das Meade LX90 (das ich jetzt RLX90 nenne, wobei das "R" für Remote steht) lässt sich vom PC aus fernsteuern. Benötigt wird ein USB/RS232-Adapter. Steuerbefehle sind über den ASCOM-Standard möglich. Bei der Einstellung POTH können mehrere Programme zugreifen.

Zum Ansteuern verwende ich APT (Astronomy Photography Tool; Foto oben und links), das auch Objektlisten abarbeiten kann. Es geht aber z.B. auch mit Cartes Du Ciel oder der Software Meade Autostar Controller (Bestandteil der Meade Autostar Suite).

Alle Programme müssen auf jenen COM-Port zugreifen, an dem sich der USB/RS232-Adapter angemeldet hat.
Manche Programme erwarten bei der Portnummerneingabe eine führende Null (z.B. 016 statt 16 oder 04 statt 4).

Zur Überprüfung des COM-Ports startet man den Windows Gerätemanager (im Feld "Ausführen" eintippen: devmgmt.msc - oder gleich Verknüpfung anlegen). Der Eintrag findet sich dort unter "Anschlüsse COM & LPT" (in Win 7) und kann nötigenfalls über "Eigenschaften" - "Anschlusseinstellungen" -  "Erweitert" mit etwas Umsicht geändert werden.

Übrigens: APT ist sehr komfortabel, da es Teleskop, DSLR und Fokus steuern kann und die Fotos gleich in passende Ordner für Lights, Darks, Bias, Flats ablegt. Außerdem bietet es PlateSolving sowie Objektlisten und arbeitet mit Cartes du Ciel zusammen. Auf meinem PC hängt es sich leider häufig auf, und zwar ohne interpretierbare Fehlermeldung. Mit etwas anderem Funktionsumfang arbeitet  SharpCap; es dient mir alternativ zum Steuern des Teleskops, der DSLR bzw. NexImage und des USB-Fokus.
EOS - die kontrollierte Göttin

Die Firma Canon hat ihre Kameraserie "EOS" getauft, mutmaßlich nach der griechischen Göttin der Morgenröte. Bei mir ist die Canon 1000D im Eisatz, ein älteres Modell mit großen Pixeln. Die Box versorgt sie über ein Akku-Dummy mit 7,8 V. Die Fotos werden sofort nach der Belichtung auf den PC übertragen. Beides ist fein, da man für ein Objekt oft an die 200 Aufnahmen benötigt.
Der Akku wäre da ähnlich schnell leer wie sich die Speicherkarte füllen würde. Ich brauche weder ans eine, noch ans andere zu denken.

Die Kamerasteuerung erfolgt im Idealfall mit APT, das die Bilder gleich in Ordnern (Lights, Darks, Bias, Flats) ablegt. Alternativ kommt die EOS Utility von Canon zum Einsatz.


NI10 - für Mond und Planeten

Anstatt der EOS kann ich die CCD-Planetenkamera Celestron NexImage 10 an den Kabelbaum anschließen. Sie ist an sich sogar USB 3.0 tauglich.
Meine Versuche, die USB 2.0 Architektur der Box gegen 3.0 zu tauschen, sind übrigens gescheitert. Die Geräte werden dann zum Teil nicht bzw. nicht immer vom PC erkannt.

Bei Planetenfotos mit der NI10 ist die Bildrate sowieso primär von den langen Belichtungszeiten pro Frame begrenzt - die Pixel des Sensors sind klein und nur wenig lichtempfindlich. Gesteuert wird von mir meist mit der Software ICap.

Geraten die Videos wegen des schlechten Seeings zu unruhig, hilft PIPP weiter. Es stabilisiert die Objekte. Außerdem kann es Videos verbinden. Zum Schneiden oder zum Retten beschädigter avi-Videos bewährt sich VirtualDub.

Mit solchen Cams lassen sich auch Deep Sky Objekte erfassen, wenn man mehrere Sekunden lang belichtet. Damit das Objekt nicht in einem Meer aus heißen Pixeln ertrinkt, muss man zusätzlich ein Dark-Video drehen - mit gleichem Gain, gleicher Belichtungszeit aber mit aufgesetztem Objektivdeckel. Autostakkert kann es in Abzug bringen. Diese Software verwandelt die Frames eines Videos auf Wunsch außerdem in Einzelbilder.
Zweitkamera am Sucher

An einem manuell fokussierbaren, zweiten Sucherfernrohr steckt die Philips 900C Cam. Auf Wunsch zeigt sie mir live ein größeres Gesichtsfeld mit schwächeren Sternen. Das kann helfen, das gewünschte Objekt besser zu zentrieren.
Ich steuere diese Kamera mit wxAstroCapture. Wirklich nötig ist sie freilich nicht. Denn das Zentrieren klappt mit der Pointcraft-Funktion von APT auch bei sehr schwachen, von der Philips-Cam nicht mehr live erfassten Sternen. Und der Live-View Modus zeigt bei ISO 12.800 selbst Sterne und planetarische Nebel mit bloß 8.1 mag deutlich. Eine derart hohe ISO-Einstellung bietet die Canon 1000D allerdings nicht. Hier muss man zu Kameras wie z.B. der Canon 500D greifen.

Natürlich lässt sich die CCD auch im Fokus des LX90 betreiben. Die maximale Auflösung beträgt allerdings bloß 960 x 480 Pixel. Das Mikrofon der Kamera ist extra steuerbar.


Fokussieren - scharf genug?

Die Fokuslage ändert sich beim LX90 leider mit der Neigung des Teleskops. Der Spiegel lässt sich nämlich nicht fixieren.
Umso wichtiger ist das ferngesteuerte Fokussieren. Ich betreibe den Meade Mikrofocusser (#1209 Zero Image-Shift Microfocusser) zwischen Teleskop und Kamera.

Zum Ansteuern werden in der einen Richtung +9 V benötigt, in der anderen -9 V. Die Box liefert diese Spannung.

Am liebsten fokussiere ich über Funk. Zwei Funkempfänger sind dafür nötig. Mit einem dritten lässt sich auf Wunsch eine langsamere Geschwindigkeit wählen.
Will ich die Brennweite durch Einschalten der Shapley-Linse reduzieren, stört der Microfocusser. Dann kommt statt dessen ein alter, improvisiert angeflanschter JMI-Fokussiermotor zum Einsatz.

Er wird ans selbe Kabel angeschlossen und lässt sich daher in exakt gleicher Weise steuern. Die reduzierbare Geschwindigkeit ist hier von besonderem Vorteil.
Auf Wunsch lässt sich statt über Funk via USB (auch ASCOM-fähig) vornehmen. Ein Schalter innerhalb meiner Box besorgt die Vorauswahl. In diesem Fall legt sich ein am zweiten Hub angeschlossener Shoestring-Adapter FCUSB2 ins Zeug, der dem Fokusmotor, je nach Laufrichtung, +5 oder -5 V Spannung zukommen lassen möchte.

Angesteuert wird er mit APT. Falls dabei das Bild kurz einfriert, bietet sich FocusPal2 als Alternative an. Da tritt das Problem nämlich nicht auf.
Der FCUSB2 liefert, weil ein USB-Gerät, nur 5 V. Das ist sehr wenig für den Meade Microfocusser. Daher wird bei mir das Signal von einem selbstgebauten Relaiswandler von +/-5 auf +/-9V erhöht. Er kommt mit 4 Dioden und 2 Umschaltrelais aus. Das Foto zeigt ihn angekoppelt an den Shoestring.
Es fehlt ein Monitor vor Ort

Manchmal bräuchte ich das Monitorbild an einem anderen Ort als im Arbeitszimmer: Beim Scharfstellen eines huckepack am Teleskop montierten Teleobjektivs zum Beispiel. Der Kameramonitor ist etwas klein. Falls sich das anvisierte Objekt sehr hoch am Himmel befindet, landet er außerdem in unbequemer Position.

Mit dem Teamviewer und WLAN lässt sich das Bild des PC-Monitors im Zimmer aufs Tablet am Balkon spiegeln. Bei der EOS kann man aber auch das Smartphone oder ein OTG-fähiges Tablet einsetzen. Dazu wird die Kamera über ein USB- und ein OTG-Kabel ans mobile Gerät angeschlossen. Die Steuerung erfolgt über die Android-App Helicon Remote.
Bahtinovs Maske motorisiert


Zum Fokussieren verwendet man, sofern es nicht um Mond oder Planeten handelt, am besten eine Bahtinovmaske. Sie klappt bei mir nun auf Funkbefehl vors Objektiv oder legt sich oben auf den Tubus, um den Blick frei zu geben. Ein Getriebemotor, wie man ihn auch im Modellbau verwendet, bewegt sie.
Er klebt an einer kleinen Holzlatte, die wiederum auf einer Baader-Klemme befestigt ist. Diese reitet auf der am Tubus aufgesetzten Prismenschiene.

Motorspannung: umpolbare 5V. Zur Steuerung dienen die Kanäle 5 (Maske klappt vors Objektiv) und 6 (Maske fährt in Ausgangsstellung). Weitere Bilder und ein Video finden sich hier.
Nun brauche ich nicht einmal zum Auf- und Absetzen der Bahtinov-Maske auf den Balkon gehen. Sie ist mittlerweile so konzipiert, dass man sie in Ruhestellung einfach um 90 Grad wegschwenken kann. Sie ist dann nicht mehr im Weg, wenn man den Leuchttisch oder die Flatffield-Box für die Flatframe-Aufnahmen vor dem Objektiv montieren will.

Möchte man ein Objektiv bzw. den Spektrographen huckepack aufs Teleskop setzen, wird die Bahtinov-Einheit entfernt. Die genannten Objektive besitzen eigene, kleinere Bahtinov-Masken ohne Motorisierung: Häufiges Nachfokussieren ist bei ihnen nicht nötig. Dank der Prismenklemme lässt sich die motorisierte Bahtinovmaske innerhalb von 20 Sekunden komplett entfernen bzw. wieder aufsetzen. Die Anschlussbuchse für das gesteuerte 5V Signal befindet sich am oberen Ende der Montierungsgabel.


Der Wolkensensor

Um Wolkenlücken besser ausnützen zu können, wird die Himmelstemperatur z.B. alle 6 Sekunden gemessen. Sie steigt bereits bei leichten Zirren (Federwolken) merklich an. Verwendet wird der IR-Sensor GY-906-DCI MLX90614ESF-DCI von Melexis: Der Öffnungswinkel beträgt 3 Grad (angeblich).
Der am zweiten Hub über ein langes Kabel angeschlossene Arduino-Microprozessor wertet die Daten eines speziellen IR-Temperatursensors aus.

Das kleine Gehäuse mit dem Arduino und dem Sensor klebt am vordersten, leichtesten Gegengewicht. Ein Astro-Kollege hat mir freundlicherweise das Arduino-Programm geschrieben!
Ausgelesen wird mit dem Programm Arduino Black. Es listet die Temperatur oder stellt sie als Kurve dar. Wichtig ist auch hier der korrekte COM-Port.
Wie kalt ist's auf Erden?

An der linken Gabelseite ist ein USB-Sensor für Temperatur und Luftfeuchtigkeit namens TEMPerHUM montiert. Seine Daten lassen sich mit der offenbar proprietären Software PCsensor (TEMPer) loggen.

Bequemer geht das mit APT, das auch gleich den Taupunkt berechnet. Somit sollte ich gewarnt sein, bevor die Optik beschlägt.
Gratis dabei: Wie kalt ist die Kamera?

Die Kameratemperatur ist interessant, weil Darks und Bias-Aufnahmen tunlichst mit derselben Kameratemperatur wie die eigentlichen Objektaufnahmen (Lights) geschossen werden. Das erlaubt es später, das Rauschen des Kamerasensors bzw. des Kameraprozessors wegzurechnen. Diese Temperatur ist nicht ident mit der Umgebungs- oder der Himmelstemperatur - sondern merklich höher.
Die Canon EOS erfasst sie und vergräbt sie in den EXIF-Daten der Bilddateien.
Die Software APT (Grafik oben) liest u.a. die Temperatur sogleich aus und schreibt sie auf Wunsch sogar in den Dateinamen hinein. Noch mehr EXIF-Infos verrät das Programm ExifToolGUI. Ein Beispiel während einer Fotosession:

  • Kamera    24°C    EXIF
  • Umgebung  11,7°C  TEMPerHUM
  • Himmel   -11,3°C  IR-Sensor
Ein Kreuz im Sucher
Der visuelle Meade-Sucher (8x50) besitzt ein unbeleuchtetes Fadenkreuz. Ich habe es ziemlich dämlich beleuchtet, mit zwei LEDs, die es von der Augenseite her anstrahlen. Das ist suboptimal, weil die roten LEDs auch das Bildfeld miterhellen.

Sie werden jedenfalls von der Box mit Strom beliefert und lassen sich per Funk abschalten - was beim Einstellen schwacher Himmelsobjekte hilft.
Ein Fadenkreuz im Okular

Professionell beleuchtet ist das Fadenkreuz im Meade-Fadenkreuzouklar. Es ist nämlich in ein von der Seite her beleuchtetes Glasplättchen eingeritzt. Ich verwende es Okular, um einen Planeten vor dem Filmen exakt in die Feldmitte zu bringen. Ein Ring am Okular garantiert, dass er gleich vorfokussiert ist.

Die LED lässt sich gemeinsam mit den LEDs im Sucher per Funk abschalten (Kanal 4).
Das Kontrollmikro

Ein Mikrofon fängt auf Wunsch die Geräusche der Teleskopmotoren, der Kamera und der motorisierten Bahtinov-Maske auf.

Es hängt am zweiten Hub und ist so an der linken Gabelseite montiert, dass es vor allem den mechanisch übertragenen Schall einfängt. Wirklich nötig ist es nicht.

Eine Box oder ein Leuchttisch für "flache" Aufnahmen

Um die Vignettierung am Bildfeldrand wegrechnen zu können, muss auch eine eben ausgeleuchtete, helle Fläche fotografiert werden. Die Kamera soll dabei nicht auf "M" sondern auf "Av" eingestellt werden.
Wenn man die in Stellung "Av" angewandte Belichtungszeit notiert, geht es freilich auch mit "M", solange die Öffnungszahl gleich bleibt.

Man schießt also "Flats" oder "Flatframe-Fotos". Ich setze dazu z.B. einen USB-Leuchttisch vors Teleskop. Filzgleiter verhindern, dass er herunter fällt.

Die Stromversorgung erfolgt über einen USB-Stecker aus der Box, der die Betriebsspannung 5V liefert.
Professioneller wirkt eine Flatfield-Box. Sie fungiert bei mir, entsprechend gegen Lichteinfall abgedichtet, als "beleuchtbarer Objektivdeckel". Ohne Licht dient sie für die Darks, Darkflats und Bias-Aufnahmen, mit Licht für die Flats.

Ihr Licht wird gemeinsam mit den LEDs fürs Fadenkreuz per Funk ein- und ausgeschaltet.
Die an- und abschaltbare Spannug von 12V liefert ein am Teleskop befindliches Kabel mit Winkelstecker. Das Foto zeigt übrigens auch die seitlich um 90 Grad verdrehte motorisierte Bahtinovmaske sowie das Dichtungsband am Teleskop, das Lichteinfall verhindert.
Ein Bildzähler per Funk

Vorm PC im Arbeitszimmer habe ich volle Kontrolle. Wenn die Kamera aber 200 Fotos schießt und dafür eine knappe Stunde benötigt ...
... setze ich mich mitunter gern in ein anderes Zimmer. Um trotzdem den aktuellen Stand der Fotosession zu überwachen, benütze ich einen funkgesteuerten Zähler.

Die Verbindung wird über eine Neewer-Funkblitzsteuerung realisiert. Der Sender sitzt am Blitzschuh der Canon.
Der Blitzkontakt des Empfängers steuert ein Digitalzählermodul mit Anzeige.

Bei jeder Kameraauslösung springt der Zähler um "1" weiter. Drucktaster erlauben u.a. den Reset auf Null.
Das Flachkabel - Tür auf, Tür zu

Zwischen dem PC und dem Teleskop liegen drei USB-Kabel in Serie. Zuerst kommt ein USB 3.0 Repeater-Kabel von 5 m Länge. Dann schummelt sich ein kurzes (0,5 m) Flachkabel zwischen Tür und Türstock durch. Schließlich folgt noch ein 2 m langes USB 2.0 Kabel.

Das Flachkabel wird mit der Zeit maltretiert. Es war aber fast ein Jahr im Einsatz, bevor ich versehentlich die Buchse einklemmte und es ersetzen musste.
Sicherheitshalber habe ich gleich drei dieser Flachkabeln erstanden.
Die Leitungsführung

Die Kabeln müssen lang genug sein, da die Box ja nicht mit dem Teleskop mitrotieren kann. Gleichzeitig sollen sie aber auch nicht den Boden berühren, um nicht zur Stolperfalle zu werden. Weil das Teleskop am Balkon sowieso nur einen beschränkten Azimut-Bereich überstreichen kann, ist das nicht allzu schwierig.
Mit Klettband zum dicken Strang verbunden, bilden die Kabeln eine "Nabelschnur" zwischen der Box und den Geräten am Teleskop.

Damit sich diese nicht an den Aussparungen der Ablageplatte verheddert, klippte ich einen geschlitzen Wellschlauch auf deren Kante (ganz oben am Bild).

So etwas verwenden Autofahrer, damit der Marder nicht die Kabel durchbeißt. Auf meinem Balkon haust das Tier bislang nicht.

Mittlerweile sind es ein paar Kabel mehr als auf diesem Foto, die die Nabelschnur bilden.
Das Einnorden

Eigentlich sollte man das Teleskop ja am Polarstern ausrichten. Doch den sehe ich am Balkon leider nicht. Also peile ich mit dem genau parallel zum Tubus justierten Sucherfernrohr eine blaue LED an. Sie steckt in einem Gehäuse an der Wand meines Arbeitszimmers.
Diese Mire markiert die Nordrichtung und liegt in exakt derselben Höhe wie der Sucher (also Azimut 0°, Höhe 0°).

Das Teleskop muss dazu immer exakt am selben Platz aufgestellt werden: Die drei Fußpunkte habe ich vorm Anbringen der Mire mit Filzstift auf dem Balkonboden nachgezeichnet.
Das Ausrichten

Datum und genaue Uhrzeit sind zur Ausrichtung des Teleskops unentbehrlich. Ein Funkuhr mit Beleuchtung, regengeschützt am Balkon montiert, verrät sie mir.

Beim Fotografieren nutze ich bach dem Einnorden die Zwei-Stern-Ausrichtung mit wählbaren Sternen.

Weil ein Software-Bug im Autostar steckt, der zum "Rubberband-Effekt" führt, mache ich es beim Planetenfilmen anders: Da peile ich die Mire an und gebe den gewünschten Planeten dann unter "Objekt" ein. Das Teleskop fährt nun in seine Nähe. Ich löse kurzzeitig die Klemmen in Azimut und Höhe - und bringe den Planeten so ins Fadenkreuzzentrum des Suchers. Dann ist der Gummiband-Effekt deutlich schwächer.
Vorsicht Regen!

Abgerundet wird die Anordnung von einem selbstgebauten Regenwarner. Ich kann ihn z.B. aufs Balkongeländer setzen.
Fallen Tropfen auf die Leiterplatte, wird über eine Transistorschaltung und einen Opto-Koppler einer der beiden Funksender meiner transportablen Türglocke ausgelöst.

Die ist laut genug, um mich aus dem Schlaf zu reißen. Nach mehreren Nachtstunden liegt allerdings genug Tau auf der Sensorplatine, um einen Fehlalarm zu produzieren.
Manches geht besser huckepack

Die Phlips 900C Kamera kann alternativ auch anstatt der EOS oder der NexImage 10 im Fokus des LX90 arbeiten - z.B., um Details der Mondoberfläche abzubilden.
Dafür lässt sich die ferngesteuerte EOS, mit Teleobjektiven ausgestatt, auch Huckepack am Tubus montieren. Eine aufgesetzte Prismenschiene erleichtert die Positionierung.

Auch mein Spektrograf (bestehend aus einem Celestron C90 Maksutov mit Beugungsgitter im Strahlengang, wahlweise mit oder ohne Microfocusser) kann auf der Schiene befestigt werden.
Aufgesetzt werden vor allem:

  • ein Celestron C90 Maksutuv mit 1000 mm Brennweite (f/11)
  • das gleiche Gerät mit Spektralgitter (100 Linien/mm) als Spektrograf
  • ein russisches 500 mm (f/5,6) Maksutov Spiegeltele
  • ein altes Vivitar 300 mm Linsentele (f/5,6 - betrieben abgeblendet mit f/8)
  • Canon-Objektive, z.B. Zoom-Tele (75-300 mm; f/4-5,6 - betrieben mit f/8 und f/11

Wird die Huckepack-Option genutzt, muss die Motorsteuerung der Bahtinov-Maske kurzzeitig abmontiert werden. Sie sitzt ja auf der gleichen Schiene.
Aktuell mit dem RLX90 verwendete Software


Zur Vorbereitung der Foto-Sessions

Für die Teleskopsteuerung
Für das Platesolving (ermöglicht genaue Positionierung des Teleskops)

Für das Autoguiding
wird derzeit nicht eingesetzt

Für die EOS-Steuerung

Fürs Auslesen der Exif-Daten der Kamera

Für die Philips CCD-Cam Steuerung

Für die NexImage 10 Steuerung

Für den Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor
Für den IR-Wolkensensor

Für den Fokussiermotor (falls nicht über Funk gesteuert)

Für die etwaige Übertragung des PC-Monitors auf Smartphone oder Tablet
  • Team Viewer (falls ich das PC-Monitorbild auch am Balkon sehen möchte) oder
  • Helicon Remote (Android App) als Ersatz für den EOS-Monitor (OTG nötig).

Für die Bearbeitung und Auswertung der Videos

Für die Bearbeitung und Auswertung der Fotos


Haftungsausschluss

Etwaiger Nachbau und Betrieb meiner Konfiguration erfolgen auf eigene Gefahr. Jegliche Haftung, auch für Schäden, ist ausgeschlossen. Ich übernehme ebenfalls keine Haftung für die Inhalte oder Handlungen von Webseiten, auf die ich Links richte.
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